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Tagesschule und Hort Schweiz: Betreuung für berufstätige Eltern

Tagesschule und Hort Schweiz: Betreuung für berufstätige Eltern

Zuletzt aktualisiert am: 27.07.26
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Ihr plant den Umzug in die Schweiz und geht beide arbeiten? Dann kommt früher oder später eine Überraschung, mit der viele deutsche Doppelverdiener nicht rechnen: Der Mittwochnachmittag ist an Schweizer Schulen traditionell schulfrei, und auch an den übrigen Tagen ist die Mittagspause oft so kurz, dass Kinder oder Jugendliche zwischendurch nach Hause kommen. Wer keine Grosseltern oder Nachbarn in der Nähe hat, braucht eine Lösung, Tagesschule oder Hort.

Dieser Ratgeber erklärt, was hinter beiden Begriffen steckt, was sie kosten und wie die Anmeldung funktioniert, als Ergänzung zu unserem Ratgeber Auswandern mit Kindern in die Schweiz.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Mittwochnachmittag: In den meisten Kantonen und Gemeinden ist der Mittwochnachmittag im Kindergarten und in der Primarschule unterrichtsfrei.
  • Blockzeiten: Der Unterricht am Vormittag dauert in der Regel von 8 bis 12 Uhr, am Nachmittag variiert das Ende je nach Schule und Stufe.
  • Hort: Ausserschulische Betreuung vor, über Mittag und nach dem Unterricht, meist organisatorisch getrennt von der Schule.
  • Tagesschule: Integriertes Modell, bei dem Unterricht und Betreuung durchgehend bis meist 16 Uhr organisiert sind, noch nicht überall verfügbar.
  • Kosten: Je nach Gemeinde und Einkommen häufig zwischen CHF 10 und CHF 105 pro Betreuungstag, viele Gemeinden staffeln nach Einkommen.
  • Anmeldung: Frühzeitig bei der Gemeinde beziehungsweise Schulverwaltung anmelden, in Städten sind Wartelisten üblich.

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Warum der Mittwoch für deutsche Familien zum Problem wird

In Deutschland ist ein durchgehender Schultag mit Nachmittagsbetreuung inzwischen vielerorts Standard. In der Schweiz ist das historisch anders gewachsen: Der Unterricht folgt sogenannten Blockzeiten, meist von 8 bis 12 Uhr am Vormittag, und der Mittwochnachmittag ist in den meisten Kantonen und Gemeinden für Kindergarten und Primarschule komplett unterrichtsfrei. Wie die Einschulung selbst abläuft und wann genau das Schuljahr beginnt, erfährst du im entsprechenden Ratgeber. Zusätzlich ist die Mittagspause oft so angelegt, dass Kinder nach Hause kommen, sofern die Gemeinde keine Mittagsbetreuung anbietet.

Für Familien, in denen beide Elternteile arbeiten, entsteht dadurch eine Lücke, die in Deutschland in dieser Form selten vorkommt. Wichtig zu wissen: Gemeinden sind gesetzlich verpflichtet, auf Wunsch der Eltern eine Betreuung ausserhalb der Unterrichtszeit anzubieten, meist von Montag bis Freitag zwischen 7:30 und 18 Uhr. Diese Angebote sind aber kostenpflichtig und müssen aktiv angemeldet werden, sie laufen nicht automatisch mit.

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Welche Betreuungsformen gibt es?

Je nach Gemeinde stehen unterschiedliche Betreuungsformen zur Auswahl, die sich in Umfang und Organisation unterscheiden. Sie ergänzen die reguläre Schulzeit ausserhalb des Unterrichts.

Mittagstisch: Reine Betreuung über die Mittagspause, Kinder essen gemeinsam und werden bis zum Nachmittagsunterricht betreut. Hausaufgabenhilfe ist meist nicht Teil des Angebots, da die Mittagszeit der Erholung dienen soll. In manchen Gemeinden wird der Mittagstisch dezentral bei einzelnen Familien organisiert.

Kinderhort: Betreuung vor Schulbeginn und am Nachmittag, inklusive Hausaufgabenhilfe, Zvieri und Freizeitangeboten. Hort und Mittagstisch befinden sich oft am gleichen Ort, sodass Eltern flexibel buchen können, mit oder ohne Mittagessen.

Tagesschule: Unterricht und Betreuung sind hier durchgehend organisiert, meist von 8 bis 18 Uhr, mit Auffangzeiten für Kinder, die früher kommen oder länger bleiben. Auch Privatschulen sind in der Regel als Tagesschule aufgebaut, hier liegt der Elternbeitrag allerdings höher, da er das Schulgeld mit einschliesst.

Tagesfamilie: Eine Alternative zu Hort und Tagesschule, bei der Kinder vor und nach der Schule sowie über Mittag bei einer Tagesfamilie betreut werden und dort auch die Hausaufgaben erledigen. War euer Kind bereits vor dem Kindergarten bei einer Tagesfamilie, lässt sich die Betreuung häufig einfach weiterführen. Für geregelte Tarife empfiehlt sich eine Tagesfamilie, die einer Tagesfamilienorganisation angeschlossen ist.

Hausaufgabenhilfe: Viele Gemeinden bieten eine kostenlose Hausaufgabenhilfe an, bei der Kinder ausschliesslich bei den Hausaufgaben unterstützt werden und danach nach Hause gehen. Das ersetzt keine durchgehende Betreuung, kann aber eine spürbare Entlastung im Alltag sein.

Was kostet Tagesschule oder Hort?

Die Kosten variieren nach Gemeinde, Angebot und Einkommen, halten sich aber in einem für Doppelverdiener gut planbaren Rahmen. Als grobe Orientierung: Viele Gemeinden verlangen zwischen CHF 10 und CHF 105 pro Betreuungstag, gestaffelt nach steuerbarem Einkommen. Wer wenig verdient, zahlt oft nur einen Minimaltarif, ab einer bestimmten Einkommensgrenze greift der volle Tarif.

Wichtig für die Kalkulation: Ab der 1. Klasse haben Kinder bereits an mindestens zwei Nachmittagen pro Woche regulären Unterricht, teilweise bis 16 Uhr, ab der 2. Klasse meist schon an drei Nachmittagen. Der tatsächliche Betreuungsbedarf ausserhalb der Schule ist damit von Anfang an kleiner, als die Diskussion um den freien Mittwochnachmittag vermuten lässt, und nimmt mit jedem Schuljahr weiter ab. Zusätzlich können ältere Kinder in grösseren Gruppen betreut werden, eine Betreuungsperson kann also mehr Kinder gleichzeitig begleiten, was sich ebenfalls günstig auf die Tarife auswirkt.

Auch bei der Abrechnung lohnt sich der genaue Blick: Die meisten Gemeinden rechnen quartalsweise ab, und während der Schulferien fallen in der Regel keine Kosten an, da die reguläre Betreuung dann ohnehin pausiert. Übers Jahr gerechnet ergibt sich dadurch ein gutes Kosten-Nutzen-Verhältnis. Viele Horte legen zudem Wert auf ein frisch zubereitetes Mittagessen, das im Tagestarif bereits enthalten ist.

Diese Beträge liegen tendenziell unter den Kosten einer Kinderkrippe für Kinder im Vorschulalter. Einen ausführlichen Kostenüberblick für die Zeit vor dem Kindergarten findest du im Ratgeber Kosten Kindergarten Schweiz. Wer die monatliche Belastung realistisch planen will, sollte zusätzlich die Familienzulage mit einrechnen, die einen Teil dieser Kosten auffängt.

Auf Bundesebene ist zudem eine Neuerung in Vorbereitung: Das Parlament hat im Dezember 2025 ein Gesetz zur Unterstützung der familienergänzenden Kinderbetreuung verabschiedet, das künftig eine sogenannte Betreuungszulage vorsieht. Bis diese Zulage tatsächlich ausbezahlt wird, dürfte es allerdings noch bis etwa 2029 oder 2030 dauern, da die Umsetzung entsprechende Vorbereitungen bei den Ausgleichskassen benötigt. Für die kurzfristige Planung solltet ihr euch also weiterhin an den heutigen kommunalen Tarifen orientieren.

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Wie meldet man sich für Tagesschule oder Hort an?

Die Anmeldung läuft über die Gemeinde beziehungsweise die zuständige Schulverwaltung, meist über ein separates Formular oder ein Online-Portal, unabhängig von der allgemeinen Schulanmeldung. Wichtig: In vielen Städten und stark nachgefragten Gemeinden gibt es Wartelisten, ähnlich wie bei Kinderkrippen. Wer plant, in die Schweiz zu ziehen, sollte sich deshalb möglichst schon vor dem Umzug bei der Zielgemeinde informieren, welche Betreuungsangebote es gibt und wie lange die Wartezeiten aktuell sind.

Für die Anmeldung wird in der Regel benötigt:

  • Angaben zum gewünschten Betreuungsumfang, also welche Tage und Zeiten
  • Nachweis über das steuerbare Einkommen, sofern die Gemeinde einen einkommensabhängigen Tarif anbietet
  • Bestätigung der Erwerbstätigkeit beider Elternteile, in manchen Gemeinden Voraussetzung für einen Platz

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Schulferien: Die grössere Betreuungslücke

Neben dem Mittwoch gibt es eine zweite Herausforderung, die viele deutsche Familien erst nach dem Umzug bemerken: Schweizer Schulferien sind deutlich länger als der Jahresurlaub der Eltern. Kantone planen in der Regel rund 13 Wochen Schulferien pro Jahr ein, verteilt auf Sommer-, Herbst-, Weihnachts-, Sport- und Osterferien. Der gesetzliche Mindesturlaub für Erwachsene liegt dagegen bei vier Wochen, mit steigendem Alter oder je nach Anstellung häufig bei fünf. Selbst wenn beide Elternteile ihren gesamten Urlaub auf die Schulferien legen, bleiben oft acht bis neun Wochen im Jahr, für die eine zusätzliche Betreuung nötig ist.

Dafür gibt es mehrere gängige Lösungen:

  • Ferienbetreuung der Gemeinde: Viele Horte und Tagesschulen bieten während eines Teils der Schulferien eine Betreuung an, meist gegen zusätzliche Gebühr und mit separater Anmeldung.
  • Ferienlager: Sommer- und Sportferienlager, oft von Gemeinden, Vereinen oder privaten Anbietern organisiert, decken einzelne Wochen ab und sind bei Schweizer Kindern selbst eine beliebte Tradition.
  • Grosseltern oder Au-pair: Wer keine Familie vor Ort hat, greift häufig auf ein Au-pair oder eine Tagesfamilie zurück, die auch während der Ferien verfügbar ist.
  • Ferienpass: Viele Gemeinden bieten während der Ferien einen Ferienpass mit Tagesausflügen und Kursen an, oft eine güns­tige Ergänzung zur klassischen Ferienbetreuung.

Wer diese Lücke schon vor dem Umzug einplant, etwa indem er sich bei der Zielgemeinde nach Ferienbetreuung erkundigt, erspart sich im ersten Sommer in der Schweiz einige Überraschungen.

Wer den Umzug insgesamt noch plant, findet in der Umzug Schweiz Checkliste weitere organisatorische Schritte, und im Ratgeber Aufenthaltsbewilligung Schweiz Hintergrund zu B-, L- und G-Bewilligung, die auch für den Anspruch auf gemeindeeigene Betreuungsangebote gelegentlich eine Rolle spielt.

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Fazit

Der freie Mittwochnachmittag und die kurze Mittagspause sind für deutsche Doppelverdiener oft die grösste organisatorische Überraschung beim Umzug in die Schweiz, aber lösbar. Wer sich frühzeitig bei der Zielgemeinde nach Hort- oder Tagesschulplätzen erkundigt und die Einkommensstaffelung kennt, kann die Betreuung meist gut in den Alltag integrieren. Weitere Themen rund um den Umzug mit Kindern, von Bewilligungen bis Schule, findest du im Ratgeber Auswandern mit Kindern in die Schweiz.

FAQ - Häufig gestellte Fragen

Warum ist in der Schweiz mittwochs keine Schule?
Der freie Mittwochnachmittag ist historisch gewachsen und in den meisten Kantonen und Gemeinden für Kindergarten und Primarschule Standard.

Ein Hort ist organisatorisch von der Schule getrennt und deckt Zeiten vor, über Mittag und nach dem Unterricht ab. Eine Tagesschule verbindet Unterricht und Betreuung durchgehend, meist bis 16 Uhr.

Je nach Gemeinde und Einkommen meist zwischen CHF 10 und CHF 105 pro Betreuungstag, viele Gemeinden staffeln nach Einkommen.

Ja, die Anmeldung für Hort oder Tagesschule läuft separat von der Schulanmeldung über die Gemeinde oder Schulverwaltung.

In Städten und stark nachgefragten Gemeinden ja, eine frühzeitige Anmeldung noch vor dem Umzug lohnt sich.

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